Kriegskinder, Kriegsenkel – Gesprächskreis, Aachen
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Kriegsenkel, Kriegskinder – Nachlese zum 3. Treffen

Am 25. August fand das dritte Treffen des 2016 gegründeten Gesprächskreises statt. 6 Teilnehmer nahmen an Kriegsenkel, Kriegskinderdas Kriegserbe in der Seele erkennen und gut handhaben, Gesprächskreis Aachen teil.

 

Kriegskinder

Zur großen Freude der sogenannten Kriegsenkel nahm diesmal erstmals ein sogenanntes Kriegskind teil. Und schnell wurde deutlich, dass die mitgebrachten Themen zumindest partiell ebenso „heiß“ waren wie die hochsommerlichen Außentemperaturen mit anfänglichen 34 Grad Celsius, vor denen uns geschlossene Rollladen schützten.

 

Verbindende Erfahrungen

Das Interesse aneinander und an den jeweiligen Geschichten war groß.  Von allen geteilt wurden Erfahrungen wie z.B. emotional schockgefrorene Eltern, anhaltendes Schweigen und die stark nach außen gerichtete Wahrnehmung der Kinder, um die Stimmungen der Eltern und drohende Gefahren frühzeitig zu erkennen.

Die Hälfte wiederum teilte die Erfahrung Eltern zu haben, die von ihren Gefühlen immer wieder überflutet wurden. Die Kinder schlagen oder sich ihnen tränenüberströmt mit allem früheren und aktuellen Erleben zuzumuten, waren zwei weit verbreitete Formen der Bewältigung.

 

Eigene Gefühle zum Tönen bringen
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Nach diesen Berichten, die auch ein Sich-einander-anvertrauen bedeuteten, schlug ich ein kleines Experiment vor: „Nimm Deine momentanen Gefühle wahr, wähle eines aus und finde dafür einen Ton bzw. eine kurze Tonfolge, die dieses Gefühl wiedergibt. Wenn jede/r einen Ton hat, werden diese nacheinander und kommentarlos gespielt.“

Dafür stellte ich einen Korb verschiedenster Instrumente zur Verfügung und ergänzte, dass im Raum alles genutzt werden könne, womit sich ein Ton oder ein Geräusch erzeugen ließe. Der Vorschlag wurde angenommen und nach kurzer Zeit, in der ausprobiert und getestet wurde, erklangen nach und nach verschiedenste Töne. Zusammen mit den Pausen verbanden sie sich zu einer ergreifenden Melodie.

 
 

Vererbte Körperempfindungen

Anschließend merkten einige TeilnehmerInnen an, dass sie trotz der Hitze mit eiskalten Füssen hier säßen und jemand äußerte: „Mir ist immer kalt – und ich weiß schon lange, dass ich da etwas geerbt habe, was mit dem Krieg zu tun hat. Ich bin ja erst danach geboren.“

 

Sich weniger anstrengen

Ich schlug vor, den Satz „Mein ganzer Körper ist warm, ABER meine Füße sind eisig“ in „Mein ganzer Körper ist warm UND meine Füße sind eisig“ zu verändern. Diese kleine Veränderung klappte erst nach mehreren Anläufen. „Der Satz ist anders, ich weiß aber noch nicht wie anders“ meinte jemand. Wir kamen überein, bis zum nächsten Treffen beide Sätze immer mal wieder laut auszusprechen und dabei den Unterschieden nachzuspüren.

 

Anmerkungen zur Übung

Tatsächlich geht es darum, die momentane Wahrnehmung einfach nur zu beschreiben und durch das verbindende UND auch präsent sein zu lassen. Ich nenne das gerne, die Vielfalt begrüßen. Menschen, die Schweres erlebt haben, sehnen sich nach Eindeutigkeit, von ihnen meist Klarheit genannt. Für sie strengen sie sich sehr an. Das UND ist ein erster Schritt zu weniger Anstrengung und zu einem anderen Umgang mit Ambivalenzen.

 

Abschluss

Die Übung beendete auch den Abend und da es zwischenzeitlich kühler geworden war, öffnete ich die Rollladen auf der Westseite meines Praxisraumes. Der herrliche Sonnenuntergang passte zur gleichzeitig gelösten und nachdenklichen Stimmung der TeilnehmerInnen.

 

Probier es selbst aus.

Beide hier beschriebenen Übungen kannst Du auch zuhause ausprobieren. Wenn Du sie zusammen mit einer Freundin/einem Freund machst, könnt Ihr Euch gegenseitig helfen.

 

Nächste Termine

25.10. und 15.12.2016, 16.02.2017, je 18.30-20.30h.
Die Gruppe ist bisher als sogenannte Offene Gruppe strukturiert. D.h. ob Du einmal oder mehrfach, regelmäßig oder unregelmäßig an der Gruppe teilnimmst, entscheidest Du selbst. Noch ist Platz für weitere TeilnehmerInnen. Das Angebot ist kostenfrei.

 

Früher Vogel … merkt sich den 06. Mai 2017

Was außen längst nicht mehr sichtbar, wirkt innen bis heute fort.
Kriegsenkel, Kriegskinder – ein praxisorientierter Seminartag.
6. Mai 2017, 10 – 17h, Aachen, Teilnahmebetrag 38€ kfd-Mitglieder/64€ Nichtmitglieder
Anmeldung ab Ende 2016 unter http://www.kfd-aachen.de

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