Neue Gruppe: FrauenZimmer® – Männer(T)Räume. Bei sich bleiben und in Beziehung treten.
1. September 2020

Das Kriegserbe in der Seele. Veranstaltungsreihe. Neu: Online-Gruppe für KRIEGSENKEL und -Enkelinnen, Beginn 17. März 2021


Einleitung

Kriegsenkel und Kriegsenkelinnen

Als Kriegsenkel und Kriegsenkelinnen bezeichnen sich Menschen, deren Eltern als Kinder und Jugendliche den
2. Weltkrieg erlebt haben. Die Folgen von Krieg wirken in Menschen, Familien und Gesellschaften auch dann noch fort, wenn außen davon längst nichts mehr zu sehen ist. Kriegsenkel und Kriegsenkelinnen haben dies in den eigenen Familien, in Schulen und Institutionen und am eigenen Leib erlebt. 

Persönlicher Hintergrund

Seitdem ich zurückdenken konnte, war in unserer Familie vom und über die beiden Weltkriege gesprochen worden und der 2. Weltkrieg war DAS Thema im Schulunterricht gewesen. Ich erlebte einen Religionslehrer, der jahrelang in jeder Stunde vom Russlandfeldzug sprach, und Menschen, die bei Probealarm in den 1960iger Jahren schreiend ins Haus rannten. Ich begegnete körperlich Verletzten und seelisch Leidenden. Für ein Kind des Jahrgangs 1958 war dies normal. 

Kriegsenkel – ein Thema in Therapie und Supervision

Aufgrund dieser Erfahrungen und motiviert durch eine Supervisorin, hatte ich seit Beginn meiner GESTALT – Arbeit Klient*innen darauf angesprochen, ob sie wüssten, was ihre Eltern und Herkunftsfamilie im Krieg erlebt hatten. Ich hielt das für selbstverständlich und sah die Weltkriege im gestalttherapeutischen Sinn als Hintergrund für Probleme und Beziehungsschwierigkeiten von Menschen, Familien und Organisationen unserer Zeit. Vieles, was sich zeigt, gewinnt erst vor diesem Hintergrund an Eindeutigkeit, kann erst dann als GESTALT erkannt werden. Im ganzheitlichen Erkennen liegt das Potential zur Veränderung.

Mit der Erfahrung einer ehrenamtlich geführten GESTALT – Gruppe für geflüchtete Frauen entschied ich mich dafür, mich vermehrt den Folgen des Weltkrieges und deren Wirken auf Menschen bis heute zu widmen. Seit 2015 tue ich dies in meiner Praxis unter dem Titel Das Kriegserbe in der Seele mit einem speziellen Gruppenangebot für Kriegsenkel*innen sowie Seminaren und habe die gleichnamige Aachener Veranstaltungsreihe der Bildungseinrichtungen Bischöfliche Akademie, Katholische Frauen Deutschland und VHS angestoßen und mit aufgebaut.

Weitere Motivation

Die GESTALT – Fachtagung „Mut bedarf der Angst“ vom Mai 2019 mit zahlreichen Gesprächen mit KollegInnen ermutigen mich ebenso wie gesellschaftliche Veränderungen – „Kippa in Deutschland. Zentralrat der Juden warnt.“ – das Thema fortzuführen.


Informationen zu den Angeboten

Was bringt Ihnen die Teilnahme an der Gruppe „Das Kriegserbe in der Seele“?

Die Gruppen, ob präsent oder online, bieten Gelegenheit zum Austausch von Erfahrungen sowie von Daten und Fakten. Vor allem sind sie ein Ort für emotionales und geistiges Sortieren, Verdauen, Neuordnen, für Gepäckabwerfen, neue Sichtweisen, für Pausen und Reflektion, für kleine Übungseinheiten, für Anregungen zu Selbstliebe und Selbstwert uvm. Ich bin manchmal selbst überrascht, wie weit die Folgen reichen, z.B. wenn wir im Gespräch wieder einmal auf Zusammenhänge von Rast- und Ruhelosigkeit/Gefühl von Heimatlosigkeit oder der Frage „Wo gehöre ICH hin?“ heute und den damaligen Fluchterfahrungen in den Herkunftsfamilien stoßen. 

Mit den Erfahrungen der letzten 6 Jahre würde ich die Teilnahme an den Gruppen als ein Stück Wegstrecke bezeichnen, auf der man sich für ein oft unter den Nägeln brennendes Thema Unterstützung gönnt in Form von Gleichinteressierten und fachlicher Begleitung. 

Welche Möglichkeiten gibt es?

Über die Länge des Weges entscheidet dabei jeder selbst; Orientierung dazu geben die eigenen inneren Bedürfnisse sowie die angebotenen äußeren Terminblöcke der Gruppen. „Auch wenn ich aktuell noch viel lese, die elende Last ist leichter geworden.“ sagte dazu eine Teilnehmerin. „Ich pausiere jetzt, weil ich eine Präsenzgruppe haben möchte.“ Und eine andere: „Das Thema ist nach einem Jahr mit Euch – (gemeint waren die anderen Teilnehmer*innen. Anmerkung LG) – für mich jetzt endlich vorbei. Dank der Gruppe konnte ich es nach Jahrzehnten abschließen. Ich werde mich ab jetzt meinem Heute widmen.“

Teilnahmevoraussetzungen

Die Gruppen stehen allen interessierten Menschen offen. Erwartet werden vertraulicher und respektvoller Umgang mit den anderen Teilnehmer*innen und deren Lebensgeschichte.


Offene Gruppen

Offene Gruppe für Kriegskinder und Kriegsenkel / 2-monatliche Treffen
Termine: Do. 18.02., Do 22.04. und Di. !! 15.06.2021. Jeweils 18.30-20.30 Uhr.

Offene Gruppe für Kriegsenkel und -enkelInnen / monatliche Treffen
Do., 21.01., 25.02., 18.03., 29.04., 27.05. und 24.06.2021. Jeweils 18.30-20.30 Uhr.

In der aktuellen Pandemie finden bisherige Präsenzgruppen und Seminare bis auf weiteres Online statt.       

Neu: ab 17. März beginnt eine Online-Gruppe für max. 12 TeilnehmerInnen

In diesem Faltblatt stehen die Angaben zu allen 3 Gruppen.

Bitte beachten Sie: Offene Gruppe meint hier, dass TeilnehmerInnen nachfolgen können, sobald ein Platz frei wird. Die Arbeitsweise der Gruppe erfordert eine Entscheidung zur Teilnahme und bietet keine Schnuppermöglichkeit. InteressentInnen können mich aber gerne vorab anrufen und/oder ein kostenfreies Kennenlerngespräch (30 Min.) vereinbaren. Unsere Filmreihe mit anschließendem Gespräch oder auch das Seminar sind weitere Möglichkeiten einer ersten Begegnung.

Anmelden

Seminar speziell für Frauen

Kriegsenkelinnen – vom „ererbten“ Trauma zu Überlebenskunst und Lebensquellen.
Vertiefungsseminar für Kriegsenkelinnen.

Leitung
Luitgard Gasser, Jg.`58 – Gestalttherapeutin, Supervisorin, Leitung Kriegsenkelgruppen in Aachen seit 2015

Termin
Freitag 16.04. 18:00 – Samstag 17.04.2021 18:00
Ort: Bischöfliche Akademie Aachen
Link 

Anmeldung
marion.bautz@bistum-aachen.de, Tel. 0241/47996-24, Seminar Nr. A 30646

Die Seminare werden in Kooperation mit der Bischöflichen Akademie Aachen und der Regionalgruppe Katholische Frauen Deutschland angeboten.


Filmreihe

Wir sind bemüht, diese baldmöglichst fortzusetzen und werden Sie rechtzeitig informieren.


Zeitungsartikel: Für-sich-Frieden-finden

Artikel in der KirchenZeitung Bistum Aachen, Ausgabe 18/2020, erschienen zum 8. Mai 2020, 75 Jahre nach Kriegsende. Er benennt ein Hauptanliegen der Kriegsenkelinnen und Kriegsenkel.
link


Zeitungsartikel: Im Gefängnis der Erinnerungen

Zeitungsartikel in den Aachener Nachrichten und der Aachener Zeitung: In der Runde „Kriegskinder und Kriegsenkel“ wird Vergangenheit lebendig und bewältigt. Das Thema ist auch noch heute von bleibender Aktualität. Zeugen berichten.
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