März 2021

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Liebe [subscriber:firstname | default:reader] [subscriber:lastname | default:reader],
heute ist der 21. März, Frühlingsanfang also. Seit mehr als einem Jahr haben wir Corona und die damit verbundenen Einschränkungen und Risiken. Der Lockdown wird gerade erneut verlängert und gleichzeitig wird um individuelle Lösungen in den unterschiedlich betroffenen Bundesländern gerungen.
Mich interessiert sehr zu erfahren, wie Du mit dieser Krise bisher umgehst, die alle in unserer Gesellschaft angeht, aber gleichzeitig sehr unterschiedlich trifft. Hier ein paar Fragen als Anregung:
  • Hat sich Dein Umgang mit Corona im Laufe der Monate geändert?
  • Wie bist Du gestartet, wo stehst Du heute?
  • Wovon hast Du in dieser Zeit Abschied genommen, was führst Du fort?
  • Welche Fertigkeiten hast Du in dem Corona-Jahr an Dir entdeckt?
  • Handelt es sich dabei um Krisenbewältigungsmuster, die Du aus Deinem Leben bereits kennst oder hast Du auch neue Muster entdeckt?
  • Hast Du in diesem Jahr auch Gutes erlebt? Vielleicht dank Corona?
  • Welche Verhaltens- und Denkmuster erachtest Du als lohnenswert sie fortzuführen?
Ich lade dazu ein, Deine Erfahrungen mit mir und den Lesern und Leserinnen des Newsletters zu teilen und sage im Voraus schon mal herzlich Danke!
DANKE
Danken möchte ich an dieser Stelle auch allen Klientinnen und Klienten, die sich auf Online-Gestaltarbeit eingelassen haben. Diese ersetzt nicht die persönliche Begegnung, beinhaltet aber ihrerseits Chancen und Möglichkeiten, die ich ohne die Pandemie so sicher nicht entdeckt hätte.

VORTEILE der ONLINEARBEIT
So stellte ich zum Beispiel überrascht fest, dass Onlinearbeit für Menschen wunderbar geeignet ist, die sich als Folge meist früher und schwerer Belastungen mit Kontakt und Nähe schwertun. Im Kokon des persönlichen Raumes Wohnung bleiben Anspannung und Stress reduziert, denn die persönlichen Grenzen sind durch die Mauern der Behausung gesetzt. (Notfalls könnte man ja zudem den Ausschaltknopf drücken oder den Stecker ziehen.) Dass ist deshalb so hilfreich, weil von Geburt an überforderte Menschen ihre psychologischen Grenzen, die zur Regulierung von Kontakt und Nähe gebraucht werden, meist nur rudimentär oder gar nicht entwickeln konnten.

Onlinebedingungen bieten besonders weiten ZeitRaum bis zum zarten Keimen der Erkenntnis, dass man vielleicht doch mehr an Nähe und Kontakt möchte, als Online möglich ist. Hingegen war das bisherige Aufsuchen einer Therapeutin immer schon verbunden mit der Aufgabe, sich raus zutrauen aus dem Kokon und sich rein zutrauen in die Atmosphäre eines fremden Menschen. Für nicht wenige eine erneut überfordernde Leistung und extrem stressig.

Die Hauptwahrnehmungsorgane sind Online Sehen und Hören. Dabei fällt mir auf, dass Sehen weniger wichtig scheint wie Hören. Schlechte Bildübertragung wird oft mit „Es geht schon. Ich höre Dich.“ kommentiert und das Bild auch abgeschaltet zur Verbesserung der Tonübertragung. Ich vermute, dass das damit zu tun hat, dass Augenkontakt gefährlich ist und gelernt werden muss. Von Natur aus fasse ich fest in den Blick, was ich jagen will oder was mich bedroht. Babys sehen erst nach einigen Wochen wirklich scharf. Bekannt sind die Verwirrung von Babys, deren Eltern keinen Blickkontakt halten oder bedrohlich schauen. An keine dieser Erfahrungen möchte die Klientin bewusst erinnert werden. Langsames Sich-annähern auch per Blick ist deshalb geboten. Langsamkeit ist Arbeitsprinzip.

Das Hören hingegen ist sehr fein entwickelt und nimmt kleinste Nuancen wahr. So wird Stimmung auch am Bildschirm körperlich spürbar. Riechen und Berühren hingegen entfallen, worüber die gleichen Menschen heilfroh sind. Die Tatsache, sich nicht in einen fremden Raum bewegen zu müssen, nicht die Luft zu schmecken, die sich darin befindet und geteilt wird, tut ein Übriges dazu.

Überrascht hat mich auch, wieviel Nähe im Onlinekontakt entstehen kann. Das erlebe ich regelmäßig in der Einzelberatung, aber auch in Onlinegruppen und wurde mir und Kollegen so auch von Teilnehmern und Teilnehmerinnen vermittelt.

ICH LERNE DAZU
Und obwohl ich meine, mir des großen Schutzbedürfnisses meiner Klientinnen und Klienten immer bewusst gewesen zu sein, eröffnet sich mir seit Monaten die Dimension dieses Bedürfnisses in der Onlinearbeit nochmals ganz neu. Dies mitzukriegen, lässt mich richtiggehend demütig fühlen. Was wissen wir Beraterinnen und Therapeuten wirklich über unsere Klientinnen? Ohne Corona hätten wir das Verhalten der Klienten als „Widerstand“ abgetan. So habe ich es selbst noch gelernt und vielfach erlebt, so wurde und wird es mir von Klienten berichtet und bei aller Aufmerksamkeit habe ich es vermutlich im Laufe der Jahre sicher auch selbst manchmal so gehalten. So freue ich mich sehr, mit der Onlinearbeit, die mir nicht fremd war, aber nur selten wahrgenommen wurde, eine zugleich anspruchsvolle wie interessante und weitere Arbeitsmöglichkeit neben den Präsenzsitzungen zu haben.

Trotz der durch und durch positiven Erfahrungen möchte ich betonen, dass ich diese Arbeitsweise als gute Ergänzung sehe. Sie ist aus meiner Sicht aber so zu verstehen, dass ein bestehendes Arbeits- oder Lebensgebäude ein weiteres Zimmer, einen Anbau erhalten hat. Nicht aber, dass Zimmer oder Anbau das Gebäude ersetzen. Dagegen spricht allein schon, dass der stundenlange Blick auf einen Monitor sehr ermüdet. Und dabei haben wir noch nicht darüber gesprochen, wieviel Energie es tatsächlich braucht, um online wirklich präsent zu sein.

WEITERE THEMEN
Meiner Wahrnehmung, dass die Monate quasi verfliegen, ohne dass Veränderung der äußeren Lebensbedingungen eintritt, versuche ich entgegen zu wirken, indem ich Onlinefortbildungen besuche und viel lese. Somit dient Die Zeit also zur Vertiefung von Themen nutzen, macht mich glücklich.
BUCHVORSTELLUNG
KRIEGSENKEL - KRIEGSKINDER
Die weiteren Angebote rund um dieses Themenfeld findest Du am Ende des Newsletters unter Themen und Termine.

So möchte ich allen Leserinnen und besonders Lesern, die mit dem Thema Kriegsenkelinnen und Kriegskinder befasst sind, ein Buch vorstellen. Der Titel lautet: SUONA, zu Deutsch MUT. Zwei Kriegskinder sprechen über Schuld und Versöhnung.

Mich hat das Buch sehr angesprochen und ich halte es für eine gute Ergänzung des Themas "Söhne ohne Väter", wie es im gleichnamigen Film von Andreas Fischer beleuchtet wird.
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OSTERTAGE
Da noch überhaupt nicht abzusehen ist, wie sich unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen in den kommenden Monaten unter Corona entwickeln (dürfen und können), wünsche ich Dir heute viele gute Ideen für Deine Zeit- und Beziehungsgestaltung unter Extrembedingungen. Ostern rückt immer näher und damit auch die Hoffnung auf Licht und Aufbruch. Sollte diese im Außen nicht stattfinden dürfen, so bleibt doch jedem das eigene Innere.

In diesem Sinne wünsche ich Dir trotz allem ein kraftvolles Frühlingserwachen und frohe Ostertage,

Luitgard
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Themen und Termine:

Onlinegruppe für Kriegsenkel und Kriegsenkelinnen hat noch 3 Plätze frei.
Am 17. März hat in kleiner Runde mit 5 Teilnehmerinnen die Onlinegruppe begonnen. Ich freue mich über den gelungenen Start und lade Dich herzlich ein, zur Gruppe dazu zukommen. Das nächste Treffen findet am Montag, den 12. April statt.
Kriegsenkelinnen – vom „ererbten“ Trauma zu Überlebenskunst und Lebensquellen.
Vertiefungsseminar für Kriegsenkelinnen.
Freitag, 16. April 18h - Samstag, 17.April 18h
Luitgard Gasser
Leben & Raum
Am Pappelweiher 32
52066 Aachen

+49 241 579351
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