Kriegsenkelinnen – vom „ererbten“ Trauma zu Überlebenskunst und Lebensquellen, 16. – 17. April 2021 – entfällt leider
22. März 2021
Offener GESTALT – Nachmittag. Pandemie, Verluste, Trauer – was machen anhaltende Unsicherheiten und Begrenzungen mit uns?
26. Oktober 2021

Das Kriegserbe in der Seele. Veranstaltungsreihe in Aachen mit Filmvorführungen und Seminaren, Präsenz- und Online und in Kooperation mit der Bischöflichen Akademie Aachen und der kfd. Aktuell nehmen wir neue TeilnehmerInnen auf.


Einleitung

Kriegsenkel und Kriegsenkelinnen

Als Kriegsenkel und Kriegsenkelinnen bezeichnen sich Menschen, deren Eltern als Kinder und Jugendliche den
2. Weltkrieg erlebt haben. Die Folgen von Krieg wirken in Menschen, Familien und Gesellschaften auch dann noch fort, wenn außen davon längst nichts mehr zu sehen ist. Kriegsenkel und Kriegsenkelinnen haben dies in den eigenen Familien, in Schulen und Institutionen und am eigenen Leib erlebt. 

Persönlicher Hintergrund

Seitdem ich zurückdenken konnte, war in unserer Familie vom und über die beiden Weltkriege gesprochen worden und der 2. Weltkrieg war DAS Thema im Schulunterricht gewesen. Ich erlebte einen Religionslehrer, der jahrelang in jeder Stunde vom Russlandfeldzug sprach, und Menschen, die bei Probealarm in den 1960iger Jahren schreiend ins Haus rannten. Ich begegnete körperlich Verletzten und seelisch Leidenden. Für ein Kind des Jahrgangs 1958 war dies normal. 

Kriegsenkel – ein Thema in Therapie und Supervision

Aufgrund dieser Erfahrungen und motiviert durch eine Supervisorin, hatte ich seit Beginn meiner GESTALT – Arbeit Klient*innen darauf angesprochen, ob sie wüssten, was ihre Eltern und Herkunftsfamilie im Krieg erlebt hatten. Ich hielt das für selbstverständlich und sah die Weltkriege im gestalttherapeutischen Sinn als Hintergrund für Probleme und Beziehungsschwierigkeiten von Menschen, Familien und Organisationen unserer Zeit. Vieles, was sich zeigt, gewinnt erst vor diesem Hintergrund an Eindeutigkeit, kann erst dann als GESTALT erkannt werden. Im ganzheitlichen Erkennen liegt das Potential zur Veränderung.

Mit der Erfahrung einer ehrenamtlich geführten GESTALT – Gruppe für geflüchtete Frauen entschied ich mich dafür, mich vermehrt den Folgen des Weltkrieges und deren Wirken auf Menschen bis heute zu widmen. Seit 2015 tue ich dies in meiner Praxis unter dem Titel Das Kriegserbe in der Seele mit einem speziellen Gruppenangebot für Kriegsenkel*innen sowie Seminaren und habe die gleichnamige Aachener Veranstaltungsreihe der Bildungseinrichtungen Bischöfliche Akademie, Katholische Frauen Deutschland und VHS angestoßen und mit aufgebaut.

Weitere Motivation

Die GESTALT – Fachtagung „Mut bedarf der Angst“ vom Mai 2019 mit zahlreichen Gesprächen mit KollegInnen ermutigen mich ebenso wie gesellschaftliche Veränderungen – „Kippa in Deutschland. Zentralrat der Juden warnt.“ – das Thema fortzuführen.


Informationen zu den Angeboten

Was bringt Ihnen die Teilnahme an einer Gruppe „Das Kriegserbe in der Seele“?

Die Gruppen bieten persönliche Unterstützung in Form von Erfahrungsaustausch mit am Thema interessierten Menschen und gleichzeitig fachlicher Begleitung. Vor allem sind sie ein Ort für emotionales und geistiges Sortieren, Verdauen, Neuordnen, für Gepäckabwerfen, neue Sichtweisen, für Pausen und Reflektion, für kleine Übungseinheiten, für Anregungen zu Selbstliebe und Selbstwert uvm. Ich bin manchmal selbst überrascht, wie weit die Folgen reichen, z.B. wenn wir im Gespräch wieder einmal auf Zusammenhänge von Rast- und Ruhelosigkeit/Gefühl von Heimatlosigkeit oder der Frage „Wo gehöre ICH hin?“ heute und den damaligen Fluchterfahrungen in den Herkunftsfamilien stoßen. 

Welche Möglichkeiten gibt es?

Wie lange jemand an einer Gruppe teilnimmt, liegt an den eigenen Bedürfnissen sowie den angebotenen Terminblöcken der Gruppen. „Auch wenn ich aktuell noch viel lese, die elende Last ist leichter geworden.“ sagte dazu eine Teilnehmerin. „Ich pausiere jetzt, weil ich eine Präsenzgruppe haben möchte.“ Und eine andere: „Das Thema ist nach einem Jahr mit Euch – (gemeint waren die anderen Teilnehmer*innen. Anmerkung LG) – für mich jetzt endlich vorbei. Dank der Gruppe habe ich meinen Frieden damit gemacht. Ich werde mich ab jetzt meinem Heute widmen.“

Teilnahmevoraussetzungen

Die Gruppen stehen allen interessierten Menschen offen. Erwartet werden vertraulicher und respektvoller Umgang mit den anderen Teilnehmer*innen und deren Lebensgeschichte.


Offene Gruppen

Offene Präsenz – Gruppe für Kriegsenkel und Kriegsenkelinnen in Aachen / monatliche Treffen
Do. 25.11., 16.12.2021, 20.01.2022, 17.02., 17.03., 07.04., 19.06.2022. Jeweils 18.30-20.30 Uhr.

Online – Gruppe Kriegsenkelinnen / monatliche Treffen
Die Gruppe ist vollständig. Sie können sich auf eine Warteliste eintragen lassen. Termine: Mo., 08.11., 06.12.2021, 10.01.2022, 07.02., 07.03., 04.04., 02.05., 07.06.

In diesem Faltblatt finden Sie alle wichtigen Informationen zu den Offenen Gruppen.

Bitte beachten Sie: Offene Gruppe meint hier, dass TeilnehmerInnen nachfolgen können, sobald ein Platz frei wird. Die Arbeitsweise der Gruppe erfordert eine Entscheidung zur Teilnahme und bietet keine Schnuppermöglichkeit. InteressentInnen können mich aber gerne vorab anrufen und/oder ein kostenfreies Kennenlerngespräch (30 Min.) vereinbaren. Unsere Filmreihe mit anschließendem Gespräch oder auch das Seminar sind weitere Möglichkeiten einer ersten Begegnung.

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2022

Das Kriegserbe in der Seele. Der Krieg in uns?!
Einsteigerseminar für sogenannte Kriegsenkel und Kriegsenkelinnen

Leitung
Luitgard Gasser, Martin Hölscher

Termin
Freitag 18.02.2022, 18:00 Uhr – Samstag 19.02.2022 17:30 Uhr
Ort: Bischöfliche Akademie Aachen
link

Anmeldung
marion.bautz@bistum-aachen.de, Tel. 0241/47996-24, Seminar Nr. A 33305


Filmreihe

Wir sind bemüht, diese baldmöglichst fortzusetzen und werden Sie rechtzeitig informieren.


Zeitungsartikel: Für-sich-Frieden-finden

Artikel in der KirchenZeitung Bistum Aachen, Ausgabe 18/2020, erschienen zum 8. Mai 2020, 75 Jahre nach Kriegsende. Er benennt ein Hauptanliegen der Kriegsenkelinnen und Kriegsenkel.
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Zeitungsartikel: Im Gefängnis der Erinnerungen

Zeitungsartikel in den Aachener Nachrichten und der Aachener Zeitung: In der Runde „Kriegskinder und Kriegsenkel“ wird Vergangenheit lebendig und bewältigt. Das Thema ist auch noch heute von bleibender Aktualität. Zeugen berichten.
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